Künstlerisches Profil

Ilil Land-Boss ist Schauspielerin und freie Theaterschaffende, europaweit tätig und zur Zeit in Berlin lebend.

Ihre Suche geht nach einer experimentellen und hinterfragenden Arbeit, die verschiedene Künstler und Einflüsse zu einer gemeinsamen Recherche versammelt.

Neben der ‚klassischen‘ Schauspielarbeit ist sie an den Grenzbereichen verschiedener Theater- und Performanceformen interessiert und dort künstlerisch aktiv.

Außer dem Schauspiel ist sie auch als Klinische Drama- und Theatertherapeutin (dreijährige Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie, Tätigkeit in in Strafvollzug und Psychiatrie, längerfristiges regelmäßiges Projekt in Bosnien-Herzegowina), Theaterpädagogin und -dozentin (alle Schulformen, vorwiegend sog. ‚benachteligte Sozialräume‘, Fort- und Weiterbildung von MultiplikatorInnen) und Theaterwissenschaftlerin tätig (M.A. in Theaterwissenschaft sowie Studium der Ethnologie und Allg. Sprachwissenschaft in Köln und Paris).

2009 hat sie die Theater- und Performancegruppe ADLOIADA gegründet und als deren künstlerische Leiterin zwei eigene Inszenierungen erarbeitet.

Von Zeit zu Zeit ist sie auch als Regieassistentin in verschiedenen Theater-, Tanz- und Opernproduktionen beschäftigt, darunter u. a. beim Roma Theater Pralipe im Theater an der Ruhr, bei der weltweit ersten Produktion einer zeitgenössischen palästinensischen Oper, Ruhrfestspiele Recklinghausen sowie zuletzt an der Württemb. Staatsoper Stuttgart.

Besondere künstlerische Interessensschwerpunkte:

Momentan interessiert sich Ilil Land-Boss besonders für die Erforschung der Begriffe sogenannter Realität und sogenannter Fiktion und der Grenzen zwischen ihnen sowie die immer wieder von ihr empfundene Gleichzeitigkeit der beiden – in ihrem jeweiligen Extrem sogar – im Theater. In diesem Zusammenhang faszinieren sie beispielsweise Aussagen aus der Astro- und Quantenphysik, die den Begriff einer objektiven Wirklichkeit als unwissenschaftlich betrachten und Wahrscheinlichkeit, Möglichkeit oder Unbestimmtheit als festen Faktor ihrer Rechnungen integrieren. Sie interessiert sich für Fragen zur Wahrnehmung sowie Versuche zur Veränderung der Rolle des sogenannten Zuschauers und die Frage, wie dieser zu einem Teilnehmer und Mitgestalter des Geschehens werden kann.

Weitere besondere Interessensschwerpunkte von Ilil Land-Boss sind Theateranthropologie, Theater und Ritual (v. a. Übergangsriten, Beziehung zwischen darstellender Kunst und Besessenheitsriten) und unser Umgang mit (auch einem symbolischen) Tod.

Die zeitgenössische Zellbiologie, die sich z. B. mit dem Zelltod bzw. dem zellularen Selbstmord beschäftigt, betont die zentrale Rolle des Todes als Voraussetzung für Leben. In unserem Körper zerstören sich täglich ungefähr hundert Millionen Zellen selbst und werden durch neue ersetzt. D. h. dass unser Eindruck von uns selbst, statisch zu sein, eine Illusion ist. Zu einem großen Teil bestehen wir aus ständiger Veränderung. Wir können also sagen, so wie man niemals zweimal in den gleichen Fluss steigt, dass wir uns niemals zweimal mit dem gleichen Körper bewegen und niemals zweimal die gleiche Haut streicheln.

Das Unsagbare, das Unsichtbare, das Undarstellbare – Ilil Land-Boss weiß auch nicht genau, was das ist, fühlt sich aber stark davon angezogen. Sie glaubt, dass die Sprache sich auch durch ihre Unfähigkeit charakterisiert, ‚das zu sagen, was sie sagen möchte‘, dass sie nicht etwas ’sagen möchte‘, was sich in anderen Worten resümieren ließe, sondern uns auf eine andere, unerreichbare Wirklichkeit verweist. Jenseitse also: das Bild ist nicht für sich selbst interessant, sondern nur in dem Maße, in dem es auf etwas anderes verweist, ein Unsichtbares, ein ihm innewohnendes Nicht-Darstellbares.

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